Miese Tricks

Kaum hatten sich alle Anwesenden halbwegs von der Botschaft der GBCA erholt, da ging auch schon die nächste Diskussion los. Tsubasa und Daisuke hatten sich auf den Weg gemacht, endlich den Direktor der WBBA zu finden und dafür zu sorgen, dass dieser im Besprechungsraum erscheinen würde. Warum auch immer Asuka so lange dafür benötigte.
„Wir sollten Asuka besser nicht jede Einzelheit dieses Statements seitens Ziggurat erzählen … Du weißt wohl, warum.“
„Sicher …“ Tsubasa verstand, worauf sein Kollege hinauswollte … Natürlich war Asuka vollkommen vertrauenswürdig und eine gute Freundin, doch wegen diesem einen bestimmten Sachverhalt hielt auch er es für klüger, die junge Dame darüber nicht zu unterrichten. „Sie würde sich bestimmt nur Sorgen machen. Mehr, als wir es ohnehin schon tun …“


„So …“ Von diesem eigentlich eher unerfreulichen Zwischenfall bestärkt, ergriff Altair erneut voller Selbstsicherheit das Wort. „Dieses dumme Gelaber war zwar nervig und krank … Aber dafür habe ich nun endlich Beweise für meine Vermutungen!“ Seine dunkelblauen Augen funkelten. „Diese … GBCA, oder wie auch immer dieser Drecksverein sich nennt … Das ist ein Feind der WBBA, der wohl einen Haufen Ärger macht!“ Nun wurde seine Stimme noch etwas ernster. „Und sie scheinen wohl Kenta und anderen Bladern irgendetwas angetan zu haben, wenn ich alles richtig zusammenzähle …!“
„Oh oh …“ Yu schluckte kurz. Auch Madoka und Kenta fühlten sich ertappt und spürten geradezu, wie sie von seinen Blicken durchbohrt wurden. Und sie wussten, dass er sich ohne eine richtige Erklärung nicht zufriedengeben würde …
„Na gut, hör zu“, begann schließlich Kenta. Es war beinahe ironisch, dass ausgerechnet er ihm nun die Wahrheit anvertrauen würde. Doch der Junge spürte, dass er es nicht bereuen würde. „Damit hast du tatsächlich Recht. Die GBCA versucht die WBBA aus dem Verkehr zu ziehen und es wird immer offensichtlicher, dass sie damit nichts Gutes erreichen wollen … Sie haben Gingka, Kyoya, Chris und mich in eine Falle gelockt und wir wurden von ihrem widerwärtigen Anführer geradezu vernichtend geschlagen!“
„Die restlichen Jahreszeitenblader liegen im Krankenhaus und sind noch immer nicht wieder bei Bewusstsein“, ergänzte Madoka traurig. „Und jetzt dürftest du dir auch denken können, warum die Beys in diesem miserablen Zustand sind …“

„W-was …?“ Geschockt blickte Altair seine neuen Freunde an. Er dachte zuvor eigentlich, wie triumphal er sich mit dem Erlangen der wahren Begebenheiten fühlen würde, doch es erschrak ihn vielmehr. Er wirkte nun eher nachdenklich als am Ziel seiner Träume fühlend. „Ich habe auf meiner Reise zwar immer wieder von so einigen Bladern gehört, die WBBA solle besser abgeschafft werden, warum auch immer … Aber das ist ja richtig heftig, ich hatte gar keine Ahnung …“
„Da bist du nicht der Einzige“, sagte die Mechanikerin leise. „Auch wir wissen erst seit höchstens zwei Wochen davon. Die WBBA bekämpft dieses Problem zwar schon lange, wenn auch eher weniger erfolgreich … Aber selbst vor uns haben sie es verheimlicht.“
„Und vor der ganzen Welt, wie es ausschaut …“ Altair wirkte nun leicht verärgert. „So eine verdammte Scheiße …! Dagegen muss man doch endlich etwas Vernünftiges unternehmen! Wer weiß, was diese Halunken wirklich wollen und was sie zum Erreichen ihrer Ziele noch alles tun werden!“
„Da sind wir doch gerade dabei“, meinte nun Yu. Da Madoka und Kenta ihn für so vertrauenswürdig hielten, wollte er es auch tun. Außerdem waren vorhin mehr oder weniger alle damit einverstanden gewesen, dass Altair eingeweiht werden soll. „Zusammen mit den anderen suchen wir weltweit nach Hinweisen, wie man diese fiesen Typen stoppen könnte! Und natürlich wollen wir auch wissen, was die wirklich wollen. Aber es ist garantiert irgendwas Mieses!“
„Wenn das so ist …“ Altair kehrte kurz in sich, als wolle er noch ein paar Sekunden über seine Idee nachdenken. Doch dann war er sich sicher in seiner Entscheidung und verkündete sie voller Überzeugung. „Dann lasst mich an eurer Seite gegen diese Arschlöcher kämpfen! Ich kann doch nicht tatenlos zusehen, wie auch nur irgendwer die Beybladewelt ins Verderben stürzt!“ Madoka, Kenta und Yu schauten überrascht zu dem Rabenblader, immerhin hatten sie eher mit erbosten Vorwürfen gerechnet. Erfreut wollten sie sich mit dieser Zusammenarbeit einverstanden erklären, doch dann lenkte sie der Hilferuf einer bekannten Stimme ab.


„Sag mal, ist dieses dumme Brathähnchen etwa abgehauen?“ Daisuke war es langsam leid, zusammen mit Tsubasa durch die Gänge des WBBA-Hauptquartiers zu gehen, ohne auch nur eine Spur vom Präsidenten zu finden.
„Es würde dir vielleicht guttun, einen kleinen Funken mehr Respekt vor dem Direktor zu haben“, seufzte Tsubasa kurz. Er konnte zwar verstehen, dass der unsterbliche Phoenix manchmal etwas nervig war, aber seiner Meinung nach übertrieb Daisuke des Öfteren, was das anging. „Außerdem kann er ja wohl kaum etwas für deine … ich nenne es mal Befangenheit.“
„Ist ja gut, bleib mal locker.“ Der oft ungestüme Agent verdrehte kurz die Augen. „Und ich hatte geglaubt, du seist im Gegensatz zu früher mal etwas entspannter geworden.“ Daisuke erinnerte sich an die Anfangszeiten Tsubasas als Agent. Er nahm Vieles beinahe zu ernst und wirkte auch allgemein fast wie ein Einzelgänger, andere Mitarbeiter hatten sogar schon darüber getuschelt, ob irgendetwas nicht mit ihm stimmte.
„Das mag sein, aber vielleicht bin ich einfach so.“ Heute sah einiges allerdings schon ganz anders aus. Seitdem der Silberhaarige dank Gingka und den anderen den Wert von Freundschaften gelernt hatte, war er sehr viel umgänglicher geworden und verdankte ihnen viel. Nicht nur als einer der mittlerweile besten Agenten sah er es daher als seine Pflicht an, gegen die GBCA bloß nicht versagen zu dürfen.
„So habe ich das auch wieder nicht gemeint …“ Daisuke seufzte kurz und glaubte aufgrund Tsubasas Verschwiegenheit, dieser sei nun beleidigt. Doch dann horchte er auf, als zwei bekannte Personen näherkamen. „Asuka, mein Schätzchen! Du hast den Alten … ich meine den Boss finden können! Super!“

„Tut mir wirklich leid, aber es gibt einen Notfall!“ Ryo wirkte ziemlich gehetzt, und auch seine Begleiterin Asuka wirkte alles andere als entspannt. „Ich war auf dem Weg zu euch, doch dann …“
„Was ist passiert?“, fragte Tsubasa sofort ernst nach. Er und Daisuke spürten, dass es einen wirklich triftigen Grund für diese immense Verspätung des Direktors gab und waren sofort bereit für Anweisungen.
„Diese GBCA kann es einfach nicht lassen“, begann Asuka bestürzt zu berichten. „Einer von ihnen hat es irgendwie geschafft, Benkei in ihre Gewalt zu bringen!“
„Was?!“
„Ihr wisst, was das heißt!“ Ryo blickte erwartungsvoll zu den beiden Agenten. „Ihr müsst Benkei da rausholen! Wer weiß, was diese Gauner vorhaben … Also, rettet ihn!“ Ohne irgendwelche Einwände nickten Beide.
„Gibt es irgendwelche Anhaltspunkte? Zum Beispiel, wo wir hinmüssen?“
„Interessanterweise ist der Entführer wohl mit Benkei auf dem Weg hierher“, antwortete Asuka ihrem Freund. „Ich denke, er soll als Geisel für eine Erpressung gegen uns dienen …“
„Dann haben wir wohl keine Zeit zu verlieren!“ Sofort liefen Tsubasa und Daisuke in verschiedene Richtungen davon, um den Feind schnellstmöglich finden zu können. Die Angestellte blickte zu Boden.
„Viel Glück, Jungs …“ Oft wünschte sich die Asuka, sie sei wenigstens ein bisschen stärker, um ihre Mitmenschen besser schützen zu können. Sie wollte, dass es jedem Blader … Nein, jedem Menschen gut ging und ein schönes Leben hatte. Aber war ihr Beitrag zu Mitarbeit der WBBA dazu auch wirklich genug? Asuka hätte sich wohl in ihren Gedanken verloren, hätte Ryos Stimme sie nicht wieder ins Hier und Jetzt gerufen.
„Asuka, wir werden zu Hikaru gehen! Nicht, dass dieser Halunke sie auch noch überfallen will …!“


„B-b-bull! Was soll das alles?!“ Die Freunde erschraken, als sie Benkeis beinahe panische Stimme durch das geöffnete Fenster vernahmen. Yu, welcher am nächsten davon war, wagte einen Blick hinaus.
„Leute! Ich glaube, Benben braucht unsere Hilfe!“
„Wer …?“ Altair hatte keine Ahnung, wer damit gemeint sein könnte. Trotzdem machte er sich Sorgen, was da los sein könnte. Verständlicherweise aber nicht ganz so viele wie Kenta und Madoka.
„Dann lass uns schnell rausgehen!“ Kenta flitzte schnell hinaus, um seinen guten Freund aus einer eventuell misslichen Lage zu befreien. Die anderen folgten ihm geschwind und rannten aus dem Besprechungszimmer hinaus. Als sie durch die Gänge des Hauptquartiers eilten, wollte Madoka schnell genauer nachfragen.
„Was genau war da denn, Yu?“
„Ich sah so eine komische, vermummte Gestalt, die Benben bei sich hatte!“, begann der Orangehaarige zu erzählen. „Er hatte die Hände auf dem Rücken verbunden und dann wurde ihm der Bey weggenommen!“
„Was?! Das war doch garantiert diese Hexe aus dem Laden!“ Altair legte einen Zahn zu und ließ die anderen weit hinter sich, um den ihm unbekannten Blader schnellstmöglich zu befreien und mit seinem Beyblade wiedervereinen zu können. Außerdem wollte er noch so etwas wie Rache gegenüber der Einbrecherin.
„Natürlich soll diese Person aufgehalten werden“, keuchte nun Madoka, welche das Schlusslicht bildete. „Aber kann nicht auch nur einer von euch auf mich warten …?“


„Nein, Dark Bull!“ Eindeutig nicht Herr der Situation musste Benkei mitansehen, wie sein treuer Partner von seinem Kidnapper achtlos ins nächste Gebüsch geworfen wurde. „Was soll das? Und du nennst dich einen Blader?!“
„Man muss eben wissen, wie man trotz einer Niederlage an sein Ziel kommt …“ Die Entführerin wollte sich weitere Ausführungen sparen. Sie hatte Benkei auf Alexander Nabokovs Befehl hin aufgelauert und zu einem kleinen Beybattle herausgefordert, den sie wie aufgetragen binnen weniger Sekunden verlor. Daraufhin hatte sie Benkei in seiner überschwänglichen Euphorie überrascht und trotz seiner körperlich deutlichen Überlegenheit in ihre Gewalt bringen können. Und das, was sie eben getan hatte, tat sie einfach nur aus einer Laune heraus.
„Hey, du dumme Sau! Lass den Kerl da sofort frei!“ Altair war schnell aus dem Notausgang hinausgelaufen und war somit sofort zur Stelle. „Hast du gar keinen Respekt vor den Beyblades und ihren Besitzern?!“
„Ich achte nur die GBCA“, meinte sie relativ ruhig und schaute auf. „Übrigens hatte ich erhofft, dich möglichst schnell wiederzutreffen … Du hast mir immerhin meine Aufgabe zunichte gemacht!“
„Ja, zum Glück!“ Wütend richtete Altair seinen Bey sowie Launcher auf die Feindin. „Und jetzt stelle dich einem Kampf, aber sei gewarnt … Ich sehe nicht ein, auch nur ein bisschen Rücksicht zu nehmen und werde dich fertigmachen!“

„Da mach ich mit!“ Nun war auch Yu mit Kenta und Madoka angekommen, welche um Benkeis Sicherheit besorgt waren. Der Waagenblader gesellte sich sofort zu dem Schwarzhaarigen, um ihn im Kampf unterstützen zu können. Dieser nickte dem Jüngeren zu und beide zogen an den Reißleinen ihrer Starter. „Let it rip!“
„Zwei gegen einen … Ihr kleinen Biester“, zischte sie kurz, doch dann schickte sie auch ihren Bey ins Rennen. Sie schien ihm keine Anweisungen geben zu wollen, während ihre beiden Gegner mit Feuereifer etwas zuriefen.

„Benkei, was ist passiert? Bist du okay?“ Kenta, welcher wegen dem noch nicht ganz erholten Saggitarrio nicht mitmischen konnte, lief sofort zu seinem Freund.
„Mist, direkt ein ganzer Schwarm“, murmelte die Feindin. Sie war zu sehr in den Kampf verstrickt, um Kenta von Benkeis Befreiung abhalten zu können.
„Mir geht es soweit ganz gut …“ Benkei war froh, als seine Hände endlich wieder frei waren. „Ich hatte wieder versucht, Kyoya und die anderen im Krankenhaus zu besuchen, aber die Ärzte haben mich erneut weggeschickt … Und Kakeru wird langsam wütend auf mich, weil ich immer um Kyoyas Krankenzimmer herumschleiche … Jedenfalls hat er rumgeschrien, bei meinem horrorfilmreifen Gestalke sei es ja kein Wunder, dass niemand aufwacht …“ Benkei wischte sich eine aufkommende Träne weg. „Jedenfalls war ich dann total wütend und bin gegangen … Und dann traf ich dann diese Bladerin und …“
„Schon okay, Großer“, versuchte Kenta ihn etwas zu beruhigen. „Das meinte Kakeru bestimmt nicht so, du weißt wie schwierig im Moment alles ist …“ Nun blickte er hasserfüllt zu der Entführerin. „Was sollte das?!“
„Genau, warum hattest du es auf Benben abgesehen?“ Yu und Altair waren zwar in der Überzahl, aber konnten noch nicht viel ausrichten. Ihre Gegnerin konnte ihnen zwar auch noch keinen Schaden zufügen, aber sie war äußerst flink. Madoka beschloss zwischenzeitlich, ihren schlauen Laptop zum Analysieren ihres Beys zu verwenden.
„Herr Nabokov meinte, dieser Fettsack solle mal zu etwas gut sein“, meinte sie völlig gleichgültig. „Ich sollte ihn in meine Gewalt bringen und als Austausch die Beys verlangen, die ich ihm bringen sollte … Aber das kann ich dank euch wohl vergessen. Ihr seid noch weitaus nerviger, als ich vorgewarnt wurde …“

„Du schamloses Stück!“ Nun reichte es Altair endgültig, und natürlich nicht nur ihm.
„Du gemeine Kuh!“, wetterte auch Yu sofort los und startete eine Attacke. „Libra, Final Inferno Blast!“ Der Junge wollte sie möglichst schnell besiegen und rief daher einer seiner stärksten Special Moves aus. Normalerweise mochte er lange Kämpfe und liebte das Beybladen, doch das hier war etwas anderes. Hier ging es immerhin darum, eine Feindin nicht ungeschoren davonkommen zu lassen und möglicherweise seinen Freunden zu helfen.
„Pah“, entwich es der Vermummten beim Anblick nur gelangweilt. „Zum Glück wurde ich über so einige eurer Attacken unterrichtet …“ Blitzschnell flitzte ihr Bey zum nun glühenden Flame Libra, ehe dieser den Effekt des Angriffs entfalten konnte. Mit einem kräftigen Hieb erwischte sie ihn, und machte die geplante Attacke damit zunichte.
„Verdammt … Damit dürften Yu und Libra eine Menge Energie verbraucht haben, ohne etwas ausrichten zu können …“ Etwas zähneknirschend tippte Madoka wie wild auf ihrem Laptop rum, um ihre Freunde möglichst bald mit wertvollen Informationen versorgen zu können. Und fragte sich im Hinterkopf, wie sie so exakt über den Special Move Bescheid wissen konnte …
„B-bull! Keine Sorge, ich mische bald mit!“ Benkei trampelte schnell zum Gebüsch, um seinen Dark Bull dort zu suchen. Er fühlte sich für diese Situation mitverantwortlich, weil er sich hatte überwältigen lassen. Kenta folgte ihm, um zu helfen.
„Als ob du für irgendetwas gut seist“, begann das Mitglied der GBCA mit strenger Stimme zu urteilen. „Du warst doch immer nur ein Klotz am Bein für alle … Das gilt zwar für sämtliche Freunde dieser abartigen legendären Blader, aber für so einen Nichtsnutz wie dich ganz besonders!“

„Halt die Klappe, du kennst Benkei doch überhaupt nicht!“ Es machte nicht nur Kenta wütend, was sich die verhüllte Bladerin da an Urteilen erlaubte. Auch Benkei selbst erstarrte kurz, doch dann drehte er sich voller Wut zu ihr.
„Was hast du da gerade gefaselt …?“ Der Stierblader schien weniger wütend über die Beleidigung gegen ihn zu sein, sondern auf etwas ganz zu reagieren. „Du nennst Kyoya und die anderen abartig …? Wie kannst du es nur wagen?!“ Voller Wut ballte er die Hände zu Fäusten und schrie ihr wütend entgegen: „Sie alle haben mir so etwas wie einen Sinn, eine Lebensaufgabe gegeben … Und du wagst es, so über sie herzuziehen?!“
Benkei erinnerte sich an die Zeit, bevor er auch nur einen seiner Freunde kannte, zurück. Daheim war alles einfach nur miserabel, sein Vater verlor einen Job nach dem anderen und er als sein einziges Kind bekam es immer wieder zu spüren. Seine Mutter hatte sich irgendwann heimlich aus dem Staub gemacht, um all der Gewalt und Aggression zu entfliehen. Seitdem saß Benkeis Vater den ganzen Tag nur noch betrunken vor dem Fernseher und beachtete seinen Sprössling kaum noch. Dieser begann aus lauter Frust andere zu drangsalieren, zu bestehlen und stopfte als Ersatzmittel alles Mögliche an Essen in sich hinein, was er bekommen wollte. Benkei war auf dem besten Weg dahin, zum zukünftigen Abschaum der Gesellschaft zu gehören, doch dann traf er Kyoya. Benkei hatte ihn damals fertigmachen wollen, doch dieser hatte ihn mit Leichtigkeit besiegt … Zum ersten Mal in seinem Leben empfand Benkei so etwas wie Bewunderung für jemanden und konnte sein Glück bis heute nicht fassen. Kyoya war der Erste, der ihn als einen Freund akzeptiert hatte und sich nicht von dem Äußeren oder gar seinen eher asozialen Familienverhältnissen verunsichern ließ. Dank ihm wurde er ein Mitglied der Face Hunters, und selbst wenn sie nicht gerade die nettesten Dinge taten … Benkei hatte endlich das Gefühl, irgendwo dazuzugehören oder gar zuhause zu sein. Und kurze Zeit später, nachdem Kyoya und er Gingka, Kenta und all die anderen kennengelernt hatten, wusste er, dass man aus einem schlechten Leben mit genug Bemühungen und den richtigen Menschen an der Seite ein schönes Leben machen konnte. Dass es falsch ist, andere für seine Misserfolge oder Probleme verantwortlich zu machen oder gar die Wut und Enttäuschung an ihnen auszulassen …
„Ich werde niemals vergessen, wie all meine Freunde einen besseren Menschen aus mir gemacht haben …“ Benkei schaute nach einem kurzen Moment der Stille wieder auf. „Und ich werde es niemals akzeptieren, wenn auch nur einer von ihnen schlechtgemacht wird!“
„Du bist einfach nur ein Narr“, meinte die Gegnerin, als empfinde sie bei solchen Gedanken einen bitteren Beigeschmack. „Das ist das Schlimme an den Menschen … Sie glauben, alles mit solch sogenannten Werten wie Freundschaft rechtfertigen zu können … Und vergessen dabei immer wieder, das alles auf dieser Welt nur aus Eigennutz geschieht. Jeder ist sich selbst der Nächste und tut ja nicht so, als sei das bei euch alles anders!“

„Du magst gar nicht so falsch liegen … Zumindest, wenn du von dieser GBCA und dir selbst sprichst!“ Altair, welcher eine Weile nichts zu all dem gesagt hatte, wollte nicht länger schweigen. „Und was beschwerst du dich überhaupt über die Menschheit, du bist doch selbst ein Mensch!“ Der Schwarzhaarige wurde immer wütender und Yu, welcher neben ihm stand spürte förmlich, wie er innerlich geradezu brodelte. „Vielleicht mag es seine Gründe haben, warum du so denkst … Oder gar auf der Seite solcher Leute bist … Aber das ändert nichts daran, dass du dich gewaltig irrst!“
„Huh …?“ Yu erschrak nun etwas, als er spürte, wie so etwas wie eine Art Energie von Altair auszugehen schien. Auch die anderen schienen zu spüren, dass da etwas im Gange war.
„Was ist da los …?“ Benkei, welcher dank Kenta seinen Dark Bull wiedergefunden hatte und nun eigentlich in den Kampf eingreifen wollte, blieb wie erstarrt stehen. Auch auf alle anderen traf es zu, Madoka schien sogar beinahe das Analysieren zu vergessen.
„Wer oder was …?“ Der vermummten Bladerin schien Altair langsam unheimlich zu werden. „Kann das wirklich sein …?“ Sie schien eine Idee zu haben, was sich da vor ihr abspielte, doch das brachte ihr gerade nicht viel. Diese Erkenntnis lenkte sie zu sehr davon ab, dem irgendetwas entgegensetzen zu können.
„Es stimmt, dass es genug Menschen gibt, die man einfach nur in die Tonne kloppen sollte … Aber es gibt auch noch die Menschen, die so etwas wie ein Herz haben und gut sind!“ Altair selbst schien nicht zu bemerken, wie er von allen Seiten gemustert wurde. Er spürte nur diese Kraft, die er schon seit einem Jahr immer wieder zu vernehmen glaubte … Nur mit dem Unterschied, dass er sie dieses Mal sehr viel stärker spürte. „Ich muss dir wohl eine Lektion für deine Taten, warum auch immer du das alles tust, erteilen …“

„Häh …?“ Kenta wich etwas erschrocken zurück, als er so etwas wie eine Aura um Altair zu erkennen glaubte. Er musste sofort an Alexander Nabokov denken und spürte kurz, wie wieder all das Negative in ihm aufzukommen schien, doch dann hielt er inne. Er spürte, dass Altairs Kraft sich anders anfühlte, beinahe schon gut. Kenta fragte sich, was das zu bedeuten hatte und ob nur er es bemerkte. Gespannt wollte er Altairs nächsten Schritt beobachten.
„Storm Corvus, Scratching Crow!“ Auf dem Kampfplatz erschien mit einem Mal ein pechschwarzer Rabe mit prachtvollem Federkleid und dunkelblauen Augen. Mit seinen goldfarbenen Krallen verpasste er dem gegnerischen Bey einen so heftigen Hieb, das dieser hoch in die Lüfte flog. Altair schien für einen kleinen Moment selbst von der Stärke überrascht zu sein, immerhin schien das Ausmaß aus irgendeinem Grund größer als sonst zu sein. Doch er realisierte, dass es noch nicht ganz vorbei war. „Jetzt, Corvus!“, rief er geistesgegenwärtig, als der Bey wieder zurückflog und der Rabe erwischte ihn mit dem goldenen Schnabel, sodass der Bey in hohem Bogen so weit weg flog, dass keiner ihn mehr entdecken konnte.
„Wie bitte …?!“ Dass so etwas geschehen würde, hätte die Vermummte niemals erwartet. Sie wollte allerdings die Gelegenheit nutzen, dass alle ihrem Bey nachschauten und fliehen. Immerhin musste sie ihren Beyblade schnell wiederfinden und einsammeln, zudem auch noch der GBCA Bericht erstatten. »Mag sein, dass ich meine eigentliche Aufgabe nicht erfüllt habe … Aber dafür habe ich einen von ihnen ausfindig gemacht … Das ist noch viel besser …!«

„Ali, wie hast du das gemacht …?“ Zuerst etwas verdutzt, aber dann voller Bewunderung schaute Yu zu dem Rabenblader auf, welcher seinen Bey wieder an sich nahm.
„Keine Ahnung …“, musste dieser etwas verwirrt gestehen. Nachdenklich betrachtete er Corvus. »Sag mir, mein Freund … Was bedeutet diese Kraft, die ich spüre …?«
„B-bull, das war der Wahnsinn!“ Begeistert rannte Benkei auf ihn zu, gefolgt von einer erleichterten Madoka. „Der hast du es gegeben! Danke, dass du ihr gezeigt hast, dass man sich nicht über Kyoya und die anderen lustig zu machen hat!“
„Verdammt, die Alte ist weg!“ Altair sah, wie plötzlich Tsubasa und Daisuke zu ihnen kamen und da fiel ihm das Verschwinden auf. Kenta hatte es natürlich auch schon bemerkt, doch er blieb still.
»Bin ich etwa der Einzige, der das gesehen hat, oder leide ich an Halluzinationen …? Da war doch wieder so etwas wie die Kraft eines legendären Bladers … Ich bin mir jedenfalls sicher, dass ich mir diese silberfarbene Aura eben nicht eingebildet habe …!«

Kommentare

Bild des Benutzers Meakuel

Irgenwie blicke ich noch nicht ganz durch. Was und wie haben Ryo und Asuka von dem Vorfall mitbekommen? Auch durch ein Fenster, so dass sie etwas sehen, aber nicht eingreifen konnten?

Es ist tatsächlich die Einbrecherin gewesen! =O

Altair vs. Einbrecherin Teil 2

Die Gegner haben ja alle auch nur denkbaren Infos über die legendären Blader und deren Freunde, da hat Yu keine Chance. =(

Benkai ist irgendwie süß mit seinem Feuereifer gegenüber Kyoya. Der Abriss zu seiner Vergangenheit passt irgendwie super zum Beyblade-Universum.

Die Einbrecherin scheint selbst ganz schön verbittert und vom Leben enttäuscht zu sein. Währeddessen stockt Altair ordentlich auf. Ob ihn das Gesagte an seine Familie erinnert hat, gegen die er sich behaupten muss?

Und er ist also einer jener, auf die es die Gegner abgesehen haben. Inori gehört sicher auch dazu! Aber Altair wird seine Kräfte kaum ohne Gegenwehr in den Dienst der Gegner stellen. 

Hoffentlich geht es Hikaru gut, man hat sie ja noch nicht wieder gesehen.

Bild des Benutzers Monoceros

Ups, wirklich vergessen genauer zu erklären ... Ein klassischer Drohbrief. Verdammt ... Ich werde es in nem späteren Kapitel wohl noch reinbauen müssen, als Flashback. Zum Glück hatte ich gerade eine Idee, die passt^^°

Ja, mit denen verspricht echt ein Mehrteiler zu werden xD

Das freut mich gerade so sehr. Benkei ist im Fandom leider eher einer der Charaktere, die immer gebasht werden und so ... Dabei isser doch ein klasse Kerl Q.Q Ich hab ja für mehrere Charaktere eine Vergangenheit zurechtgelegt. Die für Benkei war auch so eine, wo ich mich fragte 'Uh, wird das nachher nicht zu negativ aufgenommen?' ... Aber umso unerwarteter, dass es als passend aufgefasst wird O.O

Jo, das trifft es gut ... Und Altair steckt voller Überraschungen, mehr als man anfangs dachte, was? ;) Was seine Beweggründe und auch weiteres Schicksal angeht, wird man in wenigen Kapiteln genauer erfahren.