Höhen und Tiefen

> Zweites Kapitel:
Höhen und Tiefen

„Ich habe schon von Koma Village gehört. Wie du meintest, soll das Dorf wirklich schön sein, da es sehr ruhig und mitten in der Natur liegt“, antwortest du Gingka und deine Mundwinkel heben sich leicht, es freut dich, dass ihr denselben Weg teilt. „Lustigerweise ist das Dorf ebenfalls mein Ziel.“
     Sofort kehrt die Anspannung in ihn zurück und seine Miene verhärtet sich etwas. Hörbar holt er Luft und schaut dich danach an als seist du ein Geist.
     „K-Koma Village? W-Was willst du denn dort?“ Gingka stottert leicht und die Sorge in seiner Stimme ist dabei nicht zu überhören.
     Verdutzt über seine extreme Reaktion starrst du ihn eine Weile sprachlos an, du verstehst nicht, wo sein Problem liegt. Was ist so schlimm daran, dass du sein Heimatdorf besuchen möchtest? Warum wirft er dir indirekt prompt boshafte  Absichten vor?
     Abwehrend hebst du die Hände. „Keine Sorge, ich habe nichts Böses im Sinn. Wirklich nicht.“
     Gingkas Gesichtsausdruck wird gleich wieder ein bisschen weicher und er atmet einmal tief ein und aus. Danach zupft er verlegen an seinem weißen Schal herum und wendet seinen Blick von dir zum Fenster hin ab.
     „Entschuldige. Ich wollte dir nichts Schlechtes unterstellen.“ Kurz pausiert er und sucht nach passenden Worten. „Es ist nur so, das letzte Mal, als Koma Village unerwarteten Besuch von Fremden bekam, war ihr Vorhaben alles andere als nett.“
     Du kannst seine Mimik nicht erkennen, allerdings musst du das auch nicht, um zu wissen, dass du nicht weiternachfragen solltest, das sagt dir sein gebrochener Tonfall. Er will seine Erzählung eindeutig nicht weiterausführen, das, was auch immer passiert ist, scheint ihn sehr verletzt zu haben und heute noch mitzunehmen. 
Zwar ist deine Neugierde unstillbar – sie gehört definitiv zu einer deiner nervigsten Eigenschaften, dennoch schaffst du es, sie zu Gingkas Wohlergehen auszublenden und das Thema innerlich abzuharken.
     „Wahrscheinlich hört es sich unglaublich blöd an und du wirst mich wohl für verrückt halten, aber ich suche in deinem Heimatdorf nach Antworten. Ein ehemaliger Freund von mir, der vor vielen Jahr nachts verschwunden ist, soll sich dort aufgehalten haben und ich möchte herausfinden, ob das stimmt. Das wäre sehr beruhigend für mich und besonders für seinen kleinen Bruder und seine Eltern. Dann hätten wir die hundertprozentige Sicherheit, dass er noch lebt und könnten ihn eventuell sogar finden“, erklärst du Gingka deine wahren Beweggründe.
    In seinem Zustand hat er es nicht verdient, von dir angelogen zu werden. Außerdem würdest du dich nur verdächtig machen, wenn du dir irgendeine Geschichte ausdenken würdest, dann würde er dir bestimmt nicht mehr helfen.
Des Weiteren hast nichts zu verbergen, du führst nur Gutes im Schilde.
    Zögerlich legt Gingka für wenige Sekunden tröstend seine Hand auf deine Schulter und schaut dich erneut an, seine Augen strahlen Mitgefühl aus. „Das mit deinem Freund tut mir leid. Hoffentlich findest du die gewünschten Antworten und es geht ihm gut.“
 

    „Danke, das hoffe ich auch.“
     Eine unangenehme Stille herrscht nach deinen Worten zwischen euch, die Stimmung ist nach euren beiden eher weniger schönen Berichten angespannt und drückend.
Irgendwann holst du deshalb dein Handy heraus, schreibst erst Ryuto und dann deinen Eltern eine Nachricht, bevor du dich gelangweilt durch die Apps klickst und schlussendlich bei irgendeinem Autospiel hängen bleibst. Zum Chatten ist es zu früh, deine Freunde liegen noch friedlich im Bett und schlummern vor sich hin und ein besseres Game findest du nicht.
    „Ich glaube übrigens nicht, dass du verrückt bist“, durchbricht Gingka nach deiner dritten Runde das Schweigen zwischen euch. „Vor allem nicht wegen der Sache, die du vorhast.“  
    Schnell packst du aus Höflichkeit dein Smartphone beiseite und erwiderst seinen Blick.
     „Danke.“ Innerlich schüttelst du mit dem Kopf, da du dir so langsam wie eine kaputte Schallplatte vorkommst. Wie oft hast du das nun schon zu ihm gesagt? „Trotzdem bin ich ungelogen etwas durchgeknallt. Normal wäre ja langweilig.“ Spaßeshalber stößt du seinen Arm leicht mit deinem Ellbogen an und grinst breit.
     Tatsächlich entlockst du Gingka ein leises Lachen und ein leichtes Funkeln seiner Augen. „Da bin ich ganz deiner Meinung.“ 

     Der Anblick bringt dich zum Lächeln, es freut dich, dass du Gingka zumindest für einige Minuten aufgeheitert hast und es ihm besser zu gehen scheint. Du wünschst dir, dass dies noch derart bleibt, am besten den ganzen Tag über.
     Deine Laune hat sich ebenfalls gehoben und du bist voller Zuversicht, dass du heute erfreuliche Antworten bekommen wirst und sie Ryuto mitteilen kannst.
Optimismus ist nicht unbedingt dein Ding, obwohl du eine hoffnungslose Träumerin bist – generell schwankst du meist zwischen den verschiedenen Lebensauffassungen, mal bist du pessimistisch eingestellt, mal realistisch und so weiter – jedoch überkommt er dich momentan.  
     Es tut dir gut, positiv zu denken, das steigert deine Stimmung und verhindert, dass du dir stundenlang deinen Kopf zerbrichst.
Du grübelst zu viel, das hast du schon immer. Normalerweise gehst du jedes Szenario, das deiner Meinung nach eintreffen könnte, durch. Beispielsweise hast du bereits beschlossen, Ryuto nichts extrem Negatives zu erzählen, dabei weißt du gar nicht, ob du überhaupt etwas Schlechtes erfahren wirst.
     Eher du dir zu viele Gedanken darüber machen kannst, dass du zu viel überlegst – welch eine Ironie – reißt Gingkas Handy dich aus jenen. Er schaut ebenso irritiert wie du über den plötzlichen Anruf drein und wühlt eilig suchend in seiner Tasche.
An den bösen Ausdrücken mancher Menschen, die im selben Abteil wie ihr sitzen, zu urteilen, dauert es für ihren Geschmack eindeutig zu lange, bis er sein Smartphone gefunden und es zum Schweigen gebracht hat.
     Du schenkst ihnen keine Beachtung, deine Aufmerksamkeit ruht auf Gingka, welcher sich deutlich angespannt hat, als er den Namen auf dem Display gesehen und das Telefongespräch sofort abgelehnt hat.
Das bestätigt erneut deine Vermutung, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Du hast nur keinerlei Ahnung, was es ist und leider nicht das Recht, nachzufragen. Also wirst du es wohl oder übel dabei belassen, da du nicht die richtige Person bist, mit der er darüber reden sollte, das ist die Aufgabe seiner Freunde.
     Damit die Stille nicht wieder schwer und drückend wird und eure Laune sinkt, fasst du unter der Devise “Besser als gar nichts“ den Beschluss, doch auf Small Talk zurückzugreifen.
     „Hast du eigentlich Geschwister, Gingka?“, erkundigst du dich daher.
     Für einen kurzen Moment wirkt Gingka etwas verwirrt, schüttelt dann aber den Kopf. „Nein, habe ich nicht. Du?“
     Du kannst nicht verhindern, dass sich bei der Frage ein sanftes Lächeln auf deine Lippen schleicht. „Nein, wenigstens keine leiblichen. Obgleich wir nicht verwandt sind, ist Ryuto, der Bruder meines verschwundenen Freundes, mittlerweile wie ein kleiner Bruder für mich.“
     Innerlich klopfst du dir stolz auf die Schulter, dass das Gespräch in genau die Richtung läuft, du hast von Anfang an vorgehabt, das Thema auf Ryuto zu lenken, über ihn könntest du stundenlang positiv quatschen.
Er macht dich zu 85 Prozent glücklich und die anderen 15 Prozent sind überwiegend noch nicht einmal seine Schuld. Er kann nichts dafür, dass du traurig wirst, wenn er bedrückt an seinen Bruder denkt und du dich ab und an fragst, ob du überhaupt eine Hilfe für ihn bist. Richtig verantwortlich für deinen Kummer ist er eigentlich nur bei Streitigkeiten zwischen euch und das passiert zum Glück sehr selten – des Weiteren gehören immer zwei zu Auseinandersetzung dazu.
    Dein Plan geht lückenlos auf, ihr unterhaltet euch eine ganze Weile fröhlich über Ryuto – du erzählst Gingka zum Beispiel von Ryutos Liebe zur Archäologie und Astronomie und stellst fest, dass ihr drei die letztere Leidenschaft teilt – während er irgendwann beginnt, von seinen neuen Freunden aus Metal City zu plaudern. Von dem, was du über sie hörst, scheinen sie überwiegend sehr nett zu sein und trotzdem blitzen in seinen Augen Trauer und Schuldgefühle beim Reden über sie auf.
Du tust so als ob du es nicht bemerken würdest.  

     Die restliche Fahrt vergeht wie im Flug, die Zugstrecke nach Koma Village ist nicht sonderlich lang und ehe du dich versiehst, steht ihr beiden mit eurem Gepäck draußen an den Gleisen.
     „Folge mir, ich kenn eine Abkürzung“, erklärt dir Gingka und deutet mit dem Kopf nach rechts zu einem relativ zugewachsenen Weg, der alles andere als oft benutzt aussieht.
     Er wartet ein knappes Nicken von dir als Antwort ab, bevor ihr euch durch das Gestrüpp kämpft, Gingka geht logischerweise vor und du brav hinterher, da er sich als Einziger von euch in der Umgebung auskennt und du nicht mal ansatzweise weißt, wie man am besten und schnellsten nach Koma Village kommt und dich bestimmt verlaufen würdest.
    Genau deswegen bist du froh und gleichzeitig erleichtert, Gingka getroffen zu haben. Ohne ihn wärst du ziemlich aufgeschmissen, beinahe hättest du sogar die richtige Haltestelle zum Aussteigen verpasst, hätte er dir nicht rechtzeitig Bescheid gesagt, weil du erneut zu sehr in Gedanken gewesen bist.
Du bist zwar überzeugt davon, dass du auch ohne seine Hilfe das Dorf erreichen würdest, allerdings würdest du wesentlich länger brauchen und unnötig wertvolle Zeit verschwenden. Außerdem ist dir seine komische Reaktion im Gedächtnis geblieben, vielleicht sind die anderen Einwohner ebenfalls nicht gerade besucherfreundlich und mit Gingka an deiner Seite werden sie dich höchstwahrscheinlich nicht mit Fackeln und Mistgabeln fortjagen.
     Wie du feststellen musst, trügt der erste Eindruck, denn hinter dem uneinladenden, kaum betretbaren Pfad verbirgt sich eine breite, ebene Strecke, welche gut begehbar ist, inmitten der ganzen Bäume und Büschen. Neben euren Schritten und den Gezwitscher der Vögel kannst du ein leises Plätschern wahrnehmen, irgendwo ganz in der Nähe scheint sich also sogar ein Fluss zu befinden.
     Da ihr nun wesentlich mehr Platz habt und nebeneinander laufen könnt, schließt du zu Gingka auf und passt dich seinem Tempo an. Direkt danach fischst du zwei Kaugummis aus deiner Hosentasche und hältst Gingka eins vor die Nase.
      „Auch eins?“, fragst du knapp nach und wedelst mit dem Papier herum.
      „Gerne.“ Dankend nimmt Gingka dir das Kaugummi ab und lässt es direkt in seinen Mund wandern, du tust es ihm gleich.
     „Wann warst du das letzte Mal eigentlich in Koma Village?“, willst du von ihm wissen, nachdem du gefühlte tausend Blasen gemacht hast und dir das Ganze keinen Spaß mehr bereitet.
     Sofort verhärtet sich sein Gesichtsausdruck und eine gewisse Anspannung sucht ihn erneut heim, dennoch bleibt er dir die Antwort nicht schuldig. „Es ist schon lange her, bevor ich meine Trainingsreise angetreten habe, war ich zuletzt dort.“ Er lässt die Schultern hängen und blickt zum blauen Himmel hinauf. „Mir fehlte die Zeit.“
     „Jetzt bist du ja fast zurück“, lächelst du aufmunternd.
     „Ja, wir sind bald da.“
     Der Begriff “Bald“ ist sehr dehnbar, du verstehst unter ihm eine Zeitspanne von wenigen Minuten, Gingka definiert ihn anscheinend deutlich anders und vor allem länger als du.
Groß über eure verschiedenen Vorstellungen nachdenken, kannst du allerdings eh nicht, weil der vorher einfache Weg deutlich schwieriger wird. Nachdem ihr eine Weile lang dem Fluss gefolgt seid – dein Gehör hat dich nicht getäuscht, er ist ganz nah gewesen – einen kleinen Wasserfall und hohes Gras passiert habt, wartet ein extrem schmaler und alles andere als sicherer Pfad auf euch, der einen Berg hinaufführt und dementsprechend hoch, beziehungsweise die Fallhöhe folglich fürchterlich tief ist.
     Du schluckst laut und krallst deine schwitzigen Hände in dein Oberteil fest, das ist nichts für deine Akrophobie, ganz und gar nichts. Alleine der Anblick bringt dein Herz zum Rasen und schnürt deinen Hals zu. Atmen ist plötzlich erheblich mühsamer und du lehnst dich erschöpft mit halbgeschlossenen Augen an die Felswand.
     „Alles ist gut, alles ist gut“, murmelst du immer wieder leise an dich selbst, in der Hoffnung, dich irgendwie zu beruhigen und nicht zu hyperventilieren.
     Es gelingt dir nur bedingt.
     „Hey.“ Sanft packt dich Gingka an den Schultern und sucht deinen Blick. „Wir müssen die Strecke nicht nehmen, es gibt auch noch andere ohne solche Höhen.“
    Stur beißt du die Zähne zusammen und schüttelst energisch den Kopf. Du willst dir nicht noch mehr Blöße vor ihm geben, das lässt dein Ego nicht zu und trotzdem kannst du nicht aufhören, zu zittern.
    Es ist schlimm genug für dich, wenn du weißt, dass eine dicke Glasscheibe oder ein stabiles Gitter dich vom Boden trennen, obwohl dir bewusst ist, dass deine Panik unbegründet ist. Du kannst dort nicht herunterfallen, doch hier schon, nichts außer der dünne Weg trennt dich vom Abgrund.  
     Alles in dir sträubt sich, auch nur einen Fuß auf diesen zu setzen. Das ist zu gefährlich, du wirst ausrutschen und hinunterstürzen. Im schlimmsten Fall versucht Gingka, dir zu helfen und du ziehst in mit dir in den Tod. 

     „Komm.“ Vorsichtig nimmt Gingka deine Hand und zieht dich mit sich weit von der Schlucht weg, damit du dich wieder entspannen kannst und nicht plötzlich umkippst.
     „Du solltest etwas trinken, das hilft bestimmt“, schlägt er vor, als ihr euch gänzlich entfernt habt und euch nur noch Gras, Büsche und Bäume umgeben.
     Deine Antwort besteht aus einem knappen Nicken, du suchst eilig deine Flasche aus deinem Rucksack heraus und nimmst gierig ein paar Schlucke. Das Wasser tut dir gut, du bekommst gleich darauf besser Luft und dein Atem überschlägt sich nicht mehr. Dennoch ist dir weiterhin ziemlich schwindelig und dein Herz schlägt nach wie vor zu schnell.
     „Danke.“ Deiner Stimme fehlt ebenfalls die Sicherheit und sie klingt etwas angeschlagen.
     „Kein Problem.“ Nun ist es an Gingka, dich aufmunternd anzulächeln. „Sag Bescheid, wenn wir weiterkönnen.“
     „Ich brauche keine Pause, es geht schon.“ Trotzig verschränkst du die Arme vor der Brust und bläst die Wangen auf, ehe du deine Tasche schulterst und ihn auffordernd anschaust. „Wohin jetzt?“
      Skeptisch erwidert Gingka deinen Blick und zuckt schlussendlich minimal mit den Schultern. „Nach links, einen kleinen Waldweg entlang und danach einen Bergpfad hoch.“
     Sofort wirst du blasser um die Nase herum und dein Körper spannt sich deutlich an. „O-Okay.“
    „Keine Sorge, der Weg ist sehr breit, sicher und kaum steil. Etwas Höhe lässt sich leider nicht vermeiden.“
    Vorsichtig nickst du, als seine Worte langsam zu dir durchdringen. Die Landschaf ist sehr bergig und Koma Village liegt am Fuße des Mount Haganes, daher ist es mehr als logisch, dass du dich wohl oder übel deiner Akrophobie stellen musst, ob du willst oder nicht – du möchtest zu einhundert Prozent nicht.
Also musst du dich notgedrungen mit dem Gedanken anfreunden und dich mental darauf vorbereiten. Irgendwie schaffst du das schon, fragt sie nur, wie.
     Nachdem du einmal tief ein- und ausgeatmet hast, siehst du Gingka erwartungsvoll an, damit er vorgeht und du ihm erneut brav hinterherlaufen kannst. Er scheint deine Intention verstanden zu haben, denn kurz darauf setzt er sich in Bewegung und du folgst ihm.
     Dir gelingt es nicht, die schöne, unberührte Natur zu genießen, sie zieht förmlich an dir vorbei als würdest du noch immer im Zug sitzen. Auch den vielen Tieren wie beispielsweise die seltenen Vögel, die du in der Großstadt niemals zu Gesicht kriegen würdest oder das kleine, niedliche Eichhörnchen erhalten deine Aufmerksamkeit bloß für wenige Sekunden.
     Die einzige Ausnahme bilden die Insekten, welche dich entweder mit einer Blume verwechseln und gegen dich fliegen oder es lustig finden, dumm um deinen Kopf herumzuschwirren. Fliege müsste man sein, die haben bestimmt keine Höhenangst.
     Zu deinem Glück – dieses ist momentan echt auf deiner Seite und verlässt sie hoffentlich nicht mehr – ist die Bergstrecke tatsächlich sehr großflächig und es wäre ein Kunststück, dort herunterzufallen. Dafür müsste man balancieren und derart lebensmüde sind die wenigsten – du mit deiner Akrophobie erst recht nicht, stattdessen wanderst du möglichst mittig, um tunlichst viel Abstand zwischen dir und dem Abgrund zu haben.
     Dein Herz schlägt zwar etwas schneller, deine Hände sind zu Fäusten geballt und deine Lippen zu einer dünnen Linie zusammengepresst, aber du überlebst es ohne eine weitere Beinahe-Panikattacke.
Deinen Blick stur geradeaus zu halten und gar nicht daran zu denken, wie hoch ihr seid und wie viele Meter euch vom Boden trennen, hilft dir äußerst dabei.
     Höchstwahrscheinlich hättest du es sonst nicht nach oben geschafft und könntest dich nun nicht an der fantastischen Sicht erfreuen. Dadurch dass der Bereich riesig ist und du keine Chance hast, herunterzusehen, lässt dich deine Akrophobie sogar weitestgehend in Ruhe.
     Nur der riesige Felsbrock, der mitten auf der sonst leeren Fläche steht, zerstört das Bild der majestätischen Landschaft etwas, weil er nicht in jenes passt und vollkommen fehl am Platz wirkt.  
    „Wir sind da“, teilt Gingka dir mit.
     Er erntet sogleich einen absolut verwirrten Ausdruck von dir, du kannst Koma Village weit und breit nicht entdecken, was überaus viel Sinn ergibt, da das Dorf am Fuße und nicht an der Spitze des Mount Haganes liegt.
     Deine sichtbare Ratlosigkeit bringt ihn zum Grinsen. „Lass dich überraschen.“

Kommentare

Bild des Benutzers Meakuel

Wenn er da gewesen ist, muss er mit hundertprozentiger Sicherheit leben? Das schließt sich mir nicht. Zwischen dem, was „wir“ möglicherweise über ihn erfahren und dem aktuellen Stand, kann ja viel passiert sein. Davon wissen wir ja nichts.

Das mit dem stetig wiederholenden Bedanken und dem Unwohlsein dabei kenne ich. :,D

Mich wundert es ein wenig, dass er nicht auch etwas Skepsis gegenüber „unseren“Freund hegt. Immerhin weiß er jetzt ja, dass dieser wohl dort war und hat ja selbst erzählt, dass der letzte Besuch unerfreulich war.

Bei der Länge des Weges muss man sich vor Augen halten, dass das die Abkürzung ist. xD

Ich habe im Übrigen tatsächlich auch Höhenangst, mir wird schwummrig und ich möchte mich möglichst am Boden halten. =(

Welche geheime Wege "uns" wohl jetzt bevorstehen?

Bild des Benutzers Wirbelsturm

Das stimmt, natürlich könnte ihm in der Zeit etwas passiert sein. In dem Moment nimmt das trotzdem etwas Angst von dem Reader und sie redet sich das einfach ein. Vielleicht ist das aber nicht ganz deutlich geworden ;)

Dazu kommt noch etwas, auf FF hab ich das extra noch einmal erwähnt, hier aber vergessen. Gingka würde eine Fremde nach allem, was passiert ist, bestimmt auch nicht mal eben so ins Dorf führen. In Kapitel 5 greife ich das noch einmal auf. (Das lade ich wahrscheinlich am Wochenende hoch oder etwas eher, wenn ich es schaffe. Auf FF ist schließlich schon Kapitel 10 veröffentlicht ;))

Vielleicht hat Gingka sich einen Spaß erlaubt und sie ebenfalls im Kreis geführt :D Den normalen Weg möchte ich aber wirklich nicht erleben, da kommt man doch nie an ... 

Ich auch :'D Ich finde es wirklich interessant, wie sehr sich Höhenangst auch unterscheiden kann. Mein Vater hat auch welche, aber wir haben in völlig unterschiedlichen Situationen Angst. Deshalb konnte ich es ziemlich gut nachvollziehen, bei dem Weg wäre ich gefühlt gestorben. 

Danke für deinen Kommentar! :3