Twenty one-O-five

Kapitel 3: Twenty one-O-five

 

Rauchschwaden stiegen aus einer der Konsolen im Labor auf und vernebelten die Sicht.

"Da ist noch jemand drin", schrie ein Mann im weißen Kittel aufgebracht. "Das Experiment!"
"Nicht da rein – das ist zu gefährlich!", rief ein anderer.
 

oOoOoOo

Glas splitterte und Artjom spürte, wie er plötzlich aus der Röhre gezogen wurde. Mit einem Arm streifte er eine scharfe Kante.

Blut tropfte.

Desorientier kauerte er am Boden und sah sich um, atmete flach.

Es war heiß im Raum.
Heiß und stickig.

Sein Blick blieb schließlich an dem jungen Mann mit den roten Haaren haften, der ihn aus der Glasröhre rausgezogen zu haben schien. Konzentriert versuchte er den sichersten Weg aus den Flammen auszumachen. Artjom wollte fragen, was passiert war, doch er blieb stumm.

"Wir müssen hier raus, gleich fliegt alles in die Luft", sagte der Rotschopf und drückte ihn schroff noch tiefer auf den Boden.

Das Gesicht des jungen Mannes kam ihm so vertraut vor – und doch konnte er sich an seinen Namen nicht erinnern. Sein Gedankengang wurde jäh unterbrochen, als dieser einen Fluchtweg gefunden hatte.

"Mir nach – und halt deinen Arm über Nase und Mund", wies er ihn an, ehe er zielstrebig an einigen heißen Flammen vorbeihuschte, Artjom vor sich hertreibend.
 

oOoOoOo

Er atmete tief durch, als die Luft um ihn herum kühler und klarer wurde und ließ sich auf den einst Boden fallen, der grau und verdreckt war.

Gar nicht mehr weiß und steril, wie sonst.

Sie hatten es geschafft, der Flammenhölle zu entkommen. Kaum zwei Minuten hatte es gedauert. Neben ihm stand der Rothaarige, der ihn gerettet hatte.

"Wie heißt du?", fragte er und beugte sich zu Artjom herunter.
"Artjom."

"Artjom, ich bin Tala", sagte er und sofort fiel ihm wieder ein, woher er den Rothaarigen kannte. Natürlich, die Demolition Boys.

Sie trainierten nicht mit den anderen zusammen in der Abtei, sondern hatten separate Trainingsräume und bisher kannte Artjom sie vom Hören, kaum vom Sehen. Während der Zeit, in der Abtei war er ihnen vielleicht ein- oder zweimal begegnet.

"Du bist doch Teamcaptain der Demolition Boys", stellte Artjom fest.
Tala sah ihn zuerst verständnislos an, bevor er lachte.

"Nein. Ich bin Ersthelfer beim Brandschutz – und die Demolition Boys sind das beste Team in der Abtei. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Beyblade benutzt", antwortete er. "Ich habe nur Einsätze, wenn es brennt. Buchstäblich." Sein Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen.

"Aber du und Wolborg-", setzte Artjom an, verstummte aber, als Tala den Kopf schüttelte.

"Die Demolition Boys bestehen aus Tyson und Dragoon, Max und Draciel, Ray und Driger – und Kai und Dranzer."

"Was?", flüsterte Artjom ungläubig.

Tala sah nicht aus, als hätte er einen Scherz gemacht, aber das konnte nicht sein. Entgeistert sah Artjom sich um und stellte zum ersten mal fest, dass er sich nicht in der Abtei befinden konnte. Alles hier erinnerte eher an ein Krankenhaus, als an ein altes Gemäuer, in dessen Keller BitBeasts und Menschen verschmolzen werden sollten.

"Ist das hier die Abtei?", wollte er schließlich wissen.
"Ja", antwortete Tala knapp. Besorgt sah er den Jungen vor sich an und bemerkte, dass er am Arm blutete. "Ich hol dir einen Verband."

Was war hier los?

Wo war er?

Wann war er?

Warum war er hier?

Einige der Männer in den weißen Laborkitteln kamen auf ihn zu, als Tala verschwunden war.

"Erstaunlich", bemerkte einer der Männer.
"Junge, weißt du, wie du heißt?", wollte ein anderer wissen.
"Artjom", antwortete er.
"Woher kommst du?", fragte ein anderer.
"Aus Moskau", sagte Artjom.

Langsam fühlte er sich in dieser Situation unwohl. Er wusste nicht, wieso er plötzlich so viel Interesse auf sich zog – schließlich war er wie jeder andere auch.

Oder?

Plötzlich beugten sich die Männer verschwörerisch in seine Richtung, ihr Gerede wurde zu einem Flüstern.

"Welches Jahr haben wir?"
Gespannt warteten sie auf seine Antwort. Artjom überlegte.
2006? Oder war es schon 2007?
Artjom entschied sich und sagte: "2007."

Die Männer tauschten untereinander vielsagende Blicke aus, ehe man ihn korrigierte.

"Wir haben das Jahr 2105. Du wurdest in einem der Glastanks von BioVolt konserviert. Die BioVolt Forschungsabteilung wollte dein Bewusstsein umwandeln in dunkle Materie", erklärte einer der Forscher, "allerdings hat sich die BioVolt in den letzten 100 Jahren gewandelt – zum besseren. Wir haben versucht, diesen Prozess rückgängig zu machen. Scheinbar ist es uns gelungen..."
 

oOoOoOo

Ian lief an einem blonden Jungen vorbei.
"Hast du seinen leeren Blick gesehen?", fragte er und sah Spencer aus dem Augenwinkel an.
"Ja", antwortete er, "BioVolt hat sein Bewusstsein gespalten – in dunkle Materie."

"Klingt ganz nach Balkov", bemerkte Ian spitz.

Sie waren froh, dass es nicht ihr Bewusstsein war –

ihnen war noch bewusst, wer sie waren.

Kommentare

Bild des Benutzers Phase

> Sie waren froh, dass es nicht ihr Bewusstsein war – ihnen war noch bewusst, wer sie waren.

...oder zumindest dachten sie das.

Zugegeben finde ich das Kapitel ein wenig verwirrend, aber doch ziemlich cool.

Der arme Artjom kann einem Leid tun. Es sieht ja gar nicht gut aus für ihn...
Biovolt ist schon so ein kranker Haufen.
Der arme Kerl hat einiges, was er durchmachen muss... und auch wenn ich etwas verwirrt bin, hat mir auch dieses Kapitel wieder sehr gut gefallen!

Werde ich jemals erfahren, wie die Story weiter geht? :DDD

Bild des Benutzers Meakuel

Okay, bislang wurde mit dem letzten Absatz, dem Wechsel in der Erzählperspektive immer alles etwas klarer, hier ist das Gegenteil der Fall! Aber wie hast du im vorigen Kapitel geschrieben? 100%-ige Wahrheit gibt es nicht? Zumindest nicht in Russland. Ich frage mich jetzt ernsthaft, was denn nun die Realität innerhalb der Geschichte ist. Dieses Werk mutet sich für mich kafkaesk an. xD

Bild des Benutzers Bäumchen

Uhh, ich seh wo die Verwirrung herkommt xD Zugegeben aber auch schwer diese Vorgaben in die bisherige Geschichte zu integrieren, bin mir nicht ganz sicher ob du dir damit einen Gefallen getan hast.

Ich hatte auch beim Lesen weniger das Zeitreisefeeling, als mehr so ein Alternatives Universum-Feeling, vor allem halt dadurch, dass die Charaktere die gleichen sind, aber halt völlig andere Dinge tun. Allgemein bin ich mir gerade nicht sicher, ob er tatsächlich physikalisch die Zeit/das Universum gewechselt hat, oder sich das nur in seinem Kopf abspielt. Uh ... ja xD
Der Zeitreiseeffekt wird jedenfalls nur durch die abweichenden Jahreszahlen deutlich ^^"

Tala finde ich in der Rolle übrigens toll <3 Vor allem wenn man bedenkt, welchen Verlauf das Treffen der beiden in der anderen Zeit/Realität nimmt.